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Babel hieß eine performative Radioinstallation, die von der
italienischen Radiokünstlerin Anna Raimondo im September 2010 am Wiener
Brunnenmarkt umgesetzt wurde und auf Radio Orange übertragen
wurde. Sprachen, Übersetzungen und daraus resultierende Verwirrungen
und Inhaltsverzerrungen – dieses Thema zieht sich durch viele Arbeiten
von Anna Raimondo, und das liegt auch an ihrer eigenen Biographie.
Aufgewachsen ist sie in Neapel, sie lebte in Madrid, ist nun im
französischen Marseille zuhause und demnächst steht ein weiterer
Ortswechsel bevor, denn sie zieht nach London.
Für das Kunstradio hat Raimondo neue Stücke produziert, und darunter ist auch die folgende radiophone Selbstdarstellung.

Presentation von Anna Raimondo
Im Radiostück „La vie en rose“ schlägt Anna Raimondo eine Brücke
zwischen Neapel, wo sie geboren wurde, und Marseille, wo sie lebte.
Beide Städte sind geprägt durch die Lage am Meer, und durch den
Realitätsfilter des Wassers betrachtet Raimondo die beiden Orte.
“Zwischen Marseille und Neapel, durch das Mittelmeer navigierend. Das
eine ist die Stadt, in der ich geboren wurde, das andere ist eine
Stadt, die mich aufgenommen hat.
'La vie en bleu' ist ein intimes Eintauchen in zwei Realitäten, die
durch das Meer geprägt werden. Das Meer, das reinigt, säubert und das –
wenn man untertaucht und die Welt draußen vergisst – eine Katharsis
ist. Field recordings und Unterwasseraufnahmen werden zu einem
Soundscape komponiert, in dem Blau die dominierende Farbe ist. Blau wie
das Meer, aber auch blau wie die Vereinsfarben der Fußballmannschaften
von Neapel und Marseille...”

„La vie en bleu“
von Anna Raimondo
Soundmix: Anna Raimondo und Tony Regnauld
Soundscapes als Kommunikationsform, die keine Sprache und keine
Übersetzungen benötigen, entdeckte Anna Raimondo für sich, als sie in
Madrid lebte. Im Madrider Stadtteil Lavapiés entstand ein Stück, das
Anna Raimondo als Sounderinnerung des Viertels bezeichnet. Marktleben,
Straßenmusiker, bellende Hunde, Glockenläuten, spielende Kinder und das
Geklapper der Polizeipferde machen diese Erinnerung aus. Eingestreut
sind Ausschnitte aus Interviews mit älteren Menschen, die in
Lavapiés ihr Leben verbracht haben. „Lavapiés Chipén“ wurde 2010 mit
dem Prix Madrid Abierto ausgezeichnet.

„Lavapiés Chipén“
von Anna Raimondo und Manuel Calurano Ramos
Für das Kunstradio hat Anna Raimondo „English with Ralph!“ produziert,
eine Art Sprachkurs auf Irrwegen, der von einem interaktiven
Radio-Englischkurs ausgeht. Ralph, der Lehrer, ist eine synthetische
Figur, deren Aufgabe das Kommunizieren ist, doch irgendwie klingt das,
was er äußert, nicht wirklich menschlich und vereinsamt.

Dem Stück „English with Ralph!“ hat Anna Raimondo noch einen Bonustrack
angehängt: „False friends“ erzählt von den Tücken von Ähnlichkeiten
unterschiedlicher Sprachen. Nicht nur Akzente können das Verständnis
untereinander trüben, auch einzelne Wörter, die gleich klingen, aber in
unterschiedlichen Sprachen etwas ganz anderes bedeuten. „Sopa“ heißt
auf Spanisch „Suppe“, „soap“ heißt auf Englisch „Seife“. Während das
Wort „morbid“ eine Todesnähe in manchen Sprachen anzeigt, heißt es auf
Italienisch „weich“. Und “embarazada” ist das Spanische Wort für
„schwangersein“, während es in anderen Sprachen mit Peinlichkeit zu tun
hat. In Anna Raimondis Stück steigert sich das verständnisvolle
Missverstehen zu einer Babylonischen Sprachverwirrung.

„English with Ralph“ & „False friends“
von Anna Raimondo
Soundmix: Anna Raimondo und Tony Regnauld
Links: http://annaraimondo.wordpress.com/works-radio-creation
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