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Frau:

Ich merke, wie wichtig es ist, wie dringend ich das brauche, daß ich mich äußern kann über die politische Situation, und zwar jenseits einer Kaffeehausathmosphäre oder in einer kleinen Gruppe, in der man sich und so verständigt darüber, daß es grauenhaft ist, so wie es ist. Und irgendwo den Schutz sucht in einem Rahmen, in dem einem das gräßliche Antlitz des Rassismus nicht allzusehr begegnet. Außer eben in den vereinzelten Meldungen in den Medien. Ich glaube, daß der das der Kernpunkt ist, daß man einen Ort findet, wo Dinge aus austauschbar, auch austragbar werden, daß die endlich an die Oberfläche kommen und nicht ewig als der verdeckte Untergrund wirken. Und da ist sicher im Zentrum die Anerkennung von allen Seiten, daß es sich um einen rassistischen Schulterschluß handelt, wo die einen, die Verbrechen der NS-Zeit, ohne sie wirklich selbst begangen zu haben möglicherweise deshalb gar nicht thematisieren wollen, weil es die Frage nach dem demokratischen Umgang mit dem anderen, dem Fremden , in allem, was sich im menschlichen Spektrum bietet. Und das ist die Verantwortung, die die Politik dafür hat, das ist auch eine unheilige Allianz zwischen denen, die vielleicht ein Drittel in diesem Land ausmacht und den anderen, die dazu dienen, dies salonfähig zu machen. Es ist eben salonfähig, mörderisches zu sagen über Schwarze, mörderisches zu tun, es wird sozusagen die Anpöbelung zu einem System und der Primitivismus zu einem ganz normalen zulässigen Form des öffentlichen Lebens und das ist die Verantwortung, dieser Regierung, das wäre ihre Verantwortung, auch wenn dies Dinge aufgreift, die schon länger zurückliegen, aber das wäre das wesentliche und da haben die österreichischen Medien eine ganz große Verantwortung daß das nicht getan wird, und die österreichischen Politiker in ihrer opportunistisch vorauseilenden Art, niemals das anzusprechen, daß es sich eigentlich um reale Tendenzen handelt, und aufklärerisch entgegenzuwirken, Aufklärung, Inhalt, Auseinandersetzung, und das ist viel genereller, als die vereinzelten Äußerungen in diese Richtung. Sie beziehen sich darauf, daß alles, was ein demokratisches Staatswesen ausmacht, die Freiheit der Auseinandersetzung, die Freiheit der Äußerung, die Freiheit des Andersseins, die Integration von allen Menschen, die hier auf diesem Territorium arbeiten und leben, die Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensformen, eine schleimige und jargonhafte Sprache verdeckt und in Wirklichkeit Stück um Stück, und nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Wirklichkeit gemordet wird. Und das ist sozusagen der Freibrief der Vernichtung des anderen im öffentlichen Raum und damit genau, nicht unmittelbar der Mord, das wäre natürlich eine Verwischung, aber eine Legalisierung des mörderischen Vorhabens, einer Segregation von der Apartheidspolitik und das ist so entsetzlich und alles was da kommt ist, daß die Menschen, egal, was es für welche sind, ob es behinderte, oder kranke oder alte oder schwarze oder gelbe oder wie immer sind, daß die ein Anrecht darauf haben, daß ihre Probleme vorkommen, und daß diese in einer angemessenen Weise angeschaut werden, daß es damit, worum es geht angeschaut wird und nicht als bloßes Entschlackungsprogramm eines überwucherten Baumes, den man das Recht hat, und die Notwendigkeit zu beschneiden, unter dem Titel reformieren, oder aussondern oder Ordnung schaffen oder all diese Kategorien werden strapaziert. Nicht zufällig hat dieses Vokabular in Wirklichkeit in diesem Land niemals aufgehört zu bestehen. Die Auseinandersetzung mit der Sprache als ein eigenes Thema, die Sprache der Politik, wie Sprache eingesetzt wird, um hier ideologische Manipulation zu betreiben, daß ist eben hier ein ganz entscheidenden Punkt, denn die besondere Mentalität in diesem Land ausmacht. Anderswo gibt es gewiß auch viel Rassismus, aber nicht sämtliche Organe über die Kirche bis zum Staat, die dies zu legitimieren und zu beschönigen suchen und mit einer Zuckerwatte des wir haben uns nichts vorzuwerfen genau jenen vorwirft, die darunter zu leiden haben.