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Frau:

Heute ist der 23. Und wieder einmal ein Tag , wo ich mich frage, werde ich es aushalten, zu ertragen, was aussieht, wie eine ganz normale, alltägliche Situation behandelt wird. Und das ist eigentlich das Bedrückendste. Die Regierung selbst, die ÖVP, die alles dazu tut um rechtzufertigen, zu beschönigen und andererseits die permanenten Versteckspiele, mit Rassismus, mit Antisemitismus, die immer in der Variante in meinem Leben herauskommen, wie ich sie bereits dreimal in meinem Leben erlebt habe: in den fünfziger Jahren, mit der offen antisemitischen Färbung, das zweite Mal in den Jahren mit Waldheim, in denen es wieder auftauchte, allerdings im Zusammenhang mit dem Österreichertum und dann mit der F- und jetzt mit der Regierungsbeteiligung. Die Logik, die mich am meisten bedrückt, ist, daß immer stärker zementiert wird, wie in den fünfziger Jahren zementiert wurde, in der Ideologie der Volksgemeinschaft, in der es eigentlich nur innen und außen gibt, und in diesem innen gibt es eigentlich keine Menschen, die ein unterschiedliches Schicksal haben. Es gibt fast eine Million Arme in Österreich, es gibt tausende Menschen, die illegal in diesem Land leben, es gibt einen großen Prozentsatz von Menschen, die aus anderen Ländern kommen. Sie haben keine Stimme, ihnen wird keine Stimme gegeben, von Ihnen wird nicht gesprochen. Die Demagogie der Regierung, die ausschließlich dazu dient, die Interessen, die dahinter liegen, zu verschleiern, Sanierungen oder Reformschritte, die in Wirklichkeit nichts anderes sind als Umverteilungsmaßnahmen, ganz massive Umverteilungsmaßnahmen. Sei es dadurch, Menschen, die jahrzehntelang schwer gearbeitet haben, um ihre Früchte bringen, sei es durch Sanktionen gegen Arbeitslose, sei es durch die Pensionsbestimmungen, für alle die schwer gearbeitet haben in ihrem Leben. Alle diese volksgemeinschaftlichen Ideologeme werden so gut wie nie angegriffen, nie attackiert, schon gar nicht von dem Radio, da sehe ich eine schlimme Wendung in Ö1. Jenes Radio, das ich immer für ein Medium gehalten habe, daß sich sozusagen verwehrt gegen diese Maßnahmen, genau hinschaut, in Frage stellt, es wird von den Medien, den Printmedien, in denen jeder Unsinn, der eigentlich nur jenen Primitivismus des Xenophoben anschüren soll, hochgejubelt wird und ernst genommen, anstatt auszusprechen, was das Ausland Gott sei Dank noch ausspricht, daß es sich hier um reine Idiotien handelt, und daß sie nur der Manipulation der Volksseele dienen. Und die, die als Intellektuelle angesprochen werden, scheinen vor allem darauf hinzuzielen, hier eine Epismenpolitik zu führen, und nicht die Politik des demagogischen und inhaltlichen Wütens anzugreifen. Entsetzen faßt mich bei der Vorstellung, daß sich jeder heute traut, daß auszusprechen und auszuspucken, was das Niedrigste und Gemeinste ist, die Ausländer, die Juden, immer in der Variante der absoluten Gier, der Gier, die das Verbrechen gegen Menschen prinzipiell rechtfertigen soll. Unter dem Gesichtspunkt nämlich dem Opfer die Schuld zuzuschreiben und es als maßlos und niedrig darzustellen. Weil es zum Opfer gemacht wurde und damit sich selbst in den Opferstatus zu bringen. Diese grauenvolle Volksgemeinschaft, derer, die WIR sind, und die nur auf Meinungsumfragen hören, welch eine Ungerechtigkeit aus dem Ausland. Jeden Tag in der Früh, faßt mich das Entsetzen darüber, und die einzige Hoffnung ist, daß es immer wieder von außen aufgezeigt wird, aber solange das im Innen nicht irgendwie eine Resonanz findet, sehe ich mehr als schwarz. Das ist was ich sagen wollte. Das machte sehr große Angst und beängstigend sind viele, die nicht einmal in dieser Art ihre Stimme erheben oder erheben können., nur ausgesetzt sind dem rasenden kleinbürgerlichen Haß, durch die F geschürt und durch das was die S und die ÖVP in Gang gebracht in Wirklichkeit gemacht wurde. Ja. Das ist es. Da ist noch etwas, was mir sehr wichtig ist. Es ist diese unheilige politische Allianz durch alle politischen Institutionen, mit dieser Opferideologie, es scheint mir, dankenswerter Weise hat der Gusenbauer jetzt dieses ziemlich gute Papier abgegeben, aber es geht an der Kernfrage, nämlich die Verantwortung zu tragen, für das eigene Tun, dieses Phänomen, sich verantwortlich zu fühlen, die einzige Waffe, gegen das, was rassistisch, faschistisch ist, nämlich daß ich mich immer frage, wohin darf ich gehen, was habe ich zu verantworten, dieses Denken ist das große Tabu in diesem Land. Es gibt keine große Institution, keine Gewerkschaft oder Arbeiterkammer oder die Wirtschaftskammer, oder die großen Medien oder einige Vertreter außer, einiger, im Bereich von Kunst und Kultur, die sich gegen diese Vervolksgemeinschaftung des Opfer-Seins wenden, nämlich offen aussprechen, daß es sich hier um fremdenfeindliche und Rassistische Maßnahmen handelt und welche Art von Verantwortung sie dafür tragen, daß diese Art des Rassismus eine derartige Haute wieder erlebt, und zwar in Zusammenhang mit dem, daß man in unserm Land, Menschen wie Menschen zweiter Klasse behandelt, nämlich auch rechtlich behandelt, die allem widerspricht, was Verantwortung für ein demokratisches Staatswesen wäre. Und das wiederum reproduziert sich sehr stark auf dieser Ebene, nämlich niemals Täterschaft anzunehmen, und da sehe ich diese mich verzweifelt machende Ebene, ich habe nichts getan ich habe nur unter Befehlen gehandelt, bis zu augenzwinkernden Kommentaren über die Anständigkeit der SS-ler oder die Nestbeschmutzerei der Wehrmachtsaustellung. Dieser Bogen, diese Allianz, die immer wieder aktualisiert wird, da steht immer wieder auf in irgendeinem Landesparlament, daß es freie Meinung nicht gibt, und daß die Leute zu kuschen haben, oder da steht wieder jemand anderer auf und läßt eine antisemitische Bemerkung fallen, gleich wird die wieder zugedeckt, niemals wird , da gibt es einen Wahlkampf in Wien, wo kein einziger bereit ist, das zu verfolgen, daß das System hat und daß die Voraussetzung ist, wo sich jeder traut, seine Niedertracht seinem Nebenmenschen, besonders wenn er dunkler ist und ärmer ist, auszulassen. Das ist, was ich so ekelerregend und den Atem verschlagend empfinde und jeden Tag frage ich mich, wie ist es zu ertragen und gleichzeitig, was tun. Was tun? Es ist eben keine Frage des einen. Diejenigen die Verantwortung zu tragen haben bekennen sich zu dem wofür sie eigentlich Verantwortung zu tragen haben. Das.