KLANGNETZE - EINE KURZE SZENENFOLGE

    VON ANDREA SODOMKA

    SZENE 1

    Vom Zuhören oder
    Die Veränderung der Wahrnehmung
    l. AKT
    Im Klassenzimmer. Wildes Gebrüll.
    Wir hören ein Stück, das ich vor einiger Zeit mit einer anderen Kindergruppe realisiert habe.
    "Was soll denn das sein?"
    Stille.
    2. AKT
    Ein halbes Jahr später. Im Klassenzimmer. Wildes Gebrüll.
    Wir hören das selbe Stück.
    Stille.
    "Das machen wir sowieso besser!"
    Wildes Gebrüll.

    SZENE 2

    Vom Geschichtenerzählen oder
    Die experimentelle Klangfindung
    l. AKT
    Der Prozeß vom "War das gut so, Frau Lehrerin?" bis zum "Du spinnst ja, das klingt ja völlig falsch!"
    2. AKT
    Der Prozeß vom "Das klingt aber nicht wie Schritte im Wa1d" bis zum "Warum spielst du nicht mit dem Gummiball auf der Gitarre, wenn deine Finger weh tun?"
    "Wie soll denn das klingen?"
    "Hör' einmal!"
    "He, das ist genau das, was wir das letzte Mal gesucht haben!"

    SZENE 3

    Vom Instrumente Spielen-Können oder
    Der Kompositionsprozeß
    1.AKT
    "Das kann ich nicht."
    "Ich muß die Gitarre haben, weil ich hab' Gitarre spielen gelernt."
    2. AKT
    Ein halbes Jahr später.
    Der Prozeß des Miteinanderspielens und Komponierens, der Versuch, das sogenannte "Können" in freiere Bahnen zu 1enken und den Gesta1tungswillen der Kinder herauszufordern, hat in relativ kurzer Zeit zu einer Gruppe geführt, in der jeder seinen Platz hat. Dirigenten, Solisten, Geräuschmacher, Techniker, Kommentatoren, Texteschreiber, Komponisten u.s.w. sind in diesem Spiel entstanden und behaupten alle ihren Platz.
    Und plötzlich heißt es: "Wieso sollen wir noch ein Stück machen? Wir müssen das letzte erst noch genauer ausarbeiten."



    Diese Gespräche sind teilweise der Realität entnommen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    ANDREA SODOMKA ist Künstlerin mit den Arbeitsschwerpunkten Neue Medien, Musik, Interdisziplinarität und arbeitet seit 1993 an den "Klangnetzen" mit.