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Ich konsumiere also bin ich. Vorausgesetzt, Mann oder Frau hat das
ntige Kleingeld, verfgt also, in der Wirtschaftsterminologie gesprochen,
ber die entsprechende Kaufkraft. Wer diese nicht besitzt muss sich,
weil nicht kuflich zu erwerben, mhsam andere Formen der individuellen
Selbstbesttigung suchen. Ein zusehend schwierigeres Unterfangen, denn
immerhin ist mittlerweile fast schon alles vermarktbar, was vermarktbar
ist. Die Warenwelt ist zu so etwas wie einem Religionsersatz geworden.
Die von Robert Woelfl zu "Kaufkraft" verfassten Texte sind deshalb auch
als so etwas wie Beschwrungsformeln zu verstehen. Beschwrungsformeln
an den Konsumglauben, den Lifestyle und die Shopping-Kultur - die alle
Probleme zu lsen vorgibt. Vorausgesetzt, man redet sich das nur lange
genug ein. Neben den Ermunterungen an unsere Kauflust stlpt Woelfl
auch die Kehrseite des Kaufrausches heraus. Das Shoppen entlarvt der
Autor als kompensatorische Handlung und lsst seine Protagonisten in
bestem Werbetextdeutsch ber die fehlende Liebe, ber innere Leere,
Einsamkeit und Hass reflektieren manchmal alleine, als Symbol der Vereinzelung
manchmal auch dialogisch.
"Kaufkraft ist etwas so Wunderbares. Jeder wünscht sich,
über eine möglichst große Kaufkraft zu verfügen.
Kaufkraft zu besitzen und einzusetzen heißt, gut zu sein und etwas
Gutes zu tun. Kaufkraft bedeutet, positiv zu denken. Kaufkraft bedeutet,
ja zum Leben zu sagen. Kaufkraft heißt auch, an Veränderungen
zu glauben. Kaufkraft bedeutet eine bessere Welt, eine Welt, in der
es allen irgendwann besser geht. Kaufkraft, das ist Erlösung für
alle.
Können Sie sich vorstellen, jemanden zu lieben, der über
keine Kaufkraft verfügt?"
(Robert Woelfl und Bernhard Loibner)
| Robert
Wölfl über die Werbung, den Konsum und die Liebe der Firmen. |
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| Robert
Wölfl über den Wandel der Gesellschaft. |
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| Robert
Wölfl über die Möglichkeiten selektiver Warnehmungen. |
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| Bernhard
Loibner über die Musik zu "Kaufkraft". |
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Kaufkraft ist das bislang letzte in einer Reihe von
Kunstradioprojekten, die die beiden aus Krnten stammenden und heute
in Wien lebenden Knstler miteinander realisiert haben. Ihre erste
gemeinsame Kunstradioproduktion, mit dem Titel "Brennschluss", liegt
bereits 7 Jahre zurck und stammt vom 21. Juni 1994. Ausgangspunkt
fr die damalige Sendung war der 25. Jahrestag der Mondlandung.
I consume, therefore I am. Provided that one has the necessary small
change than one has the corresponding purchasing power, speaking in
terms of the economy. The one who doesnt have purchasing power, because
you cant purchase it, has to search hard for other forms of individual
self-affirmation. A more and more difficult venture, because in the
meantime almost everything that is marketable is marketable. The world
of products has become something like a replacement for religion. The
texts of "Kaufkraft", which were written by Robert Woelfl, also have
to be understand as something like incantations. Incantations about
the belief in consumption, lifestyle and the culture of shopping - which
pretends to solve all problems - provided that one convinces oneself
long enough. Besides the encouragement to our desire to buy, Woelfl
also points out the disadvantage of the frantic urge to spend. The author
exposes shopping as a compensatory act and, in the language of advertising
jargon, let reflect its protagonists about missing love, about inner
emptiness, loneliness and hatred - sometimes alone as a symbol of isolation,
sometimes also in dialog form.
"Purchasing power is such a wonderful thing. Everybody desires
to have as much purchasing power as possible. Having and using purchasing
power means to be good and to do something useful. Purchasing power
means to think positive. Purchasing power mean to say ìyes" to
life. Purchasing power also means to believe in changes. Purchasing
power means a better world. A world which will be better for everyone
one day. Purchasing power: this means relief for everyone.
Can you imagine to love somebody who does not have any purchasing
power?"
(Robert Woelfl and Bernhard Loibner)
"Purchasing power" is the last in the series of Kunstradio- projects,
which Robert Woelfl and Bernhard Loibner - both originally come from
Carinthia and now living in Vienna - realized together. Their first
collaborative Kunstradio-production with the title "Brennschluss" was
realized already seven years ago, exactly on the 21th of June 1994.
The starting point of "Brennschluss" was the 25th anniversary of the
landing on the moon.
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